Jujutsu (jj): Warum dieses VCS Git den Rang ablaufen könnte

Julian | Feb 27, 2026 min read

Jujutsu (jj): Ein neues Paradigma für die Versionsverwaltung

Git ist der Industriestandard, keine Frage. Aber Hand aufs Herz: Wie oft hast du dich schon mit git stash, git add -p oder dem Auflösen von Merge-Konflikten herumgeschlagen, die deinen gesamten Workflow blockiert haben?

Hier kommt Jujutsu (jj) ins Spiel. Es ist ein modernes Version Control System (VCS), das von Grund auf so entwickelt wurde, dass es die Reibungspunkte klassischer Tools eliminiert. Es ist schnell, sicher und – das ist der Clou – es versteht Git nativ. Jujutsu tritt nicht an, um Git sofort zu ersetzen, sondern um die Art und Weise, wie wir mit Repositories interagieren, fundamental zu verbessern.

Der sanfte Umstieg: Co-Located Repositories

Einer der größten Vorteile von Jujutsu ist, dass du deine bestehende Arbeitsweise nicht von heute auf morgen aufgeben musst. Dank Co-Located Repos kann Jujutsu direkt im .git-Verzeichnis operieren.

Das bedeutet konkret:

  • Du arbeitest mit jj-Befehlen in deinem Terminal.
  • Jujutsu spiegelt alle Änderungen automatisch in den Git-Index und die Branches zurück.
  • Deine Kollegen merken gar nicht, dass du Jujutsu nutzt – für sie sieht alles nach sauberem Git aus.

Ein einfacher Befehl wie jj git init --colocated in einem bestehenden Projekt genügt, und du bist startklar.

Die Magie der “Working Copy” – Kein git add mehr

In Git ist der Workflow fast schon rituell: git add ., git commit -m "...". Jujutsu bricht mit dieser Tradition. Hier gibt es keine Staging-Area. Stattdessen betrachtet Jujutsu deine aktuelle Arbeit immer als einen “offenen” Commit in der Working Copy.

Ein konkretes Beispiel:

Schauen wir uns an, wie sich Jujutsu verhält, wenn du eine Datei bearbeitest:

# Du erstellst eine Änderung
$ echo "Modern VCS" > feature.txt

# Ein Blick auf den Status
$ jj status
Working copy changes:
M feature.txt
Working copy : qpvvwsqr 338d8750 (empty) (no description set)
Parent revision: nkmvpuow 764a12b1 main | (empty) Initial commit

Was wir hier sehen: Jujutsu hat automatisch eine “Working Copy Revision” (qpvvwsqr) erstellt. Du musstest nichts hinzufügen oder committen. Die Änderung ist bereits Teil der Historie. Wenn du fertig bist, gibst du dem Kind mit jj describe -m "Add feature info" einfach einen Namen. Das spart massiv Zeit und verhindert, dass man Änderungen im ungestagten Nirvana vergisst.

Features, die den Workflow verändern

Jujutsu bringt Konzepte mit, die man nach einer Woche Nutzung nicht mehr missen möchte:

  • First-class Conflicts: In Git stoppt ein Merge-Konflikt deine Welt. Du musst ihn lösen, bevor du weitermachst. In Jujutsu sind Konflikte einfach ein Zustand einer Datei. Du kannst einen Commit mit Konflikten einchecken, ihn pushen oder später lösen. Der Workflow wird nie blockiert.
  • Das Operation Log (Undo für alles): Das Operation Log ist die Luxus-Variante des Reflogs. Jede Aktion – egal ob Rebase, Edit oder Commit – bekommt eine ID. Mit jj undo machst du buchstäblich alles rückgängig. Das gibt dir eine enorme Sicherheit beim Experimentieren.
  • Revsets: Jujutsu hat eine eigene, fast schon funktionale Sprache, um Commits zu finden. Mit Ausdrücken wie mine() & ~tracked() findest du blitzschnell genau das, was du suchst, ohne dich durch endlose Log-Listen zu scrollen.

Fazit: Lohnt sich der Blick über den Tellerrand?

Jujutsu ist aktuell noch in einer frühen Phase, aber die Konzepte sind extrem solide. Vor allem für Entwickler, die viel Zeit im Terminal verbringen und die Reibungsverluste von Git leid sind, bietet jj eine erfrischend neue Perspektive. Durch die Git-Kompatibilität ist das Risiko gleich Null: Du kannst es heute in deinem Projekt testen und jederzeit wieder zu reinem Git zurückkehren.